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Gottesdienst am 31. Mai 2020 Pfingstsonntag

Predigt über Apostelgeschichte 2
am Pfingstsonntag, 31. Mai 2020 am Ashäuser Mühlenbach
von Pastorin Anja Kleinschmidt

Liebe Pfingstgemeinde!
Wir wissen nicht,
woher das Coronavirus kommt.
Manche meinen,
dass es auch dem Größenwahn von Menschen entsprungen ist,
die meinten mehr zu können,
als sie sollten.
So wie damals in Babel,
als die Menschen den Turm bauten.

Aber selbst wenn die Ursache eine andere ist,
so sind doch die Konsequenzen ähnlich,
damals wie heute.

Man versteht sich nicht mehr.
Die Menschen vereinzeln.

In den letzten Wochen und Monaten mussten wir eine starke
Vereinzelung erleben -
nicht nur
weil Reisen und Besuche eingeschränkt wurden.

Auch zu Hause müssen wir unsere Kontakte begrenzen.
Menschen können nicht mehr so zusammen kommen,
wie sie sich das wünschen.
Unsere Gruppen dürfen sich nicht treffen.
Sie konnten nicht alle Gäste zur Taufe einladen,
die sie gern dabei gehabt hätten.

Und selbst da, wo wir in Kontakt sein können,
merken wir,
dass der nicht so einfach ist,
z.B. weil andere ganz anders ticken.

Wir merken,
dass es schwer ist,
sich zu verständigen,
darüber wie wir eine neue Form des Miteinanders finden können.

Wir erleben, dass die Angst ganz unterschiedlich ausgeprägt ist bei
den Menschen, denen wir begegnen.
Das macht den Umgang schwierig.

Nicht nur durch die Gesellschaft
auch durch einzelne Familien geht ein starker Riss.

„Ich glaube, die Familie bricht auseinander“ –
hat eine Frau gesagt,
weil ihre Töchter so ganz unterschiedlich mit der Krise umgehen.
Sie können einfach nicht mehr miteinander reden.
Unterstellungen, Misstrauen und Angst sind groß.

Pfingsten ist die Geschichte,
die all dem Gottes Kraft entgegen stellt,
Diese schafft nämlich eine Verbindung über Grenzen hinweg.

Ich hatte es am letzten Sonntag schon gesagt:
die Pfingstgeschichte und mit ihr Gottes Geistkraft
ist genau das, was wir jetzt brauchen.

Eine Kraft,
die uns hilft, zusammen zu bleiben,
weil sie uns verbindet.

Beim Turmbau zu Babel hatten die Menschen versucht
aus eigener Kraft in den Himmel zu gelangen.
Das hat nicht funktioniert.

Pfingsten ist die Bewegung eine andere.
Es ist keine Bewegung von der Erde zum Himmel,
sondern umgekehrt.

Die Kraft kommt vom Himmel
und damit von Gott.

Die Lesung endete mit der erstaunten Frage danach,
was das zu bedeuten hat.
Apg 2, 12 „Alle waren außer sich vor Staunen.
»Was hat das zu bedeuten?«, fragten sie.“

Petrus beantwortet diese Frage in einer langen Predigt,
in der er von Jesus erzählt,
der von Gott geschickt wurde,
sozusagen als ein Gesandter des Himmels,
und der an Himmelfahrt zu Gott zurück gegangen ist.

Zuvor hat er Gottes Kraft versprochen,
die Pfingsten erkennbar wird.
Sie zeigt sich da,
wo Menschen einander verstehen.

15 Länder werden erwähnt,
aus denen Menschen in Jerusalem waren,
damals beim ersten Pfingstfest.

Wie berührend muss es für sie gewesen sein,
als sie auf einmal Menschen in ihrer Sprache reden hörten.

Unvermittelt waren die Grenzen zwischen ihnen verschwunden.
Und sie konnten sich verbunden fühlen.

Am Beispiel der überwundenen Sprachgrenzen wird deutlich gemacht,
welche Kraft da vom Himmel kommt.

An Pfingsten kommt der Himmel zu uns.
Gott öffnet ihn.

Er öffnet ihn für uns in einer Zeit,
in der viele von uns sehr viel leisten müssen,
auch wenn sie keinen Turm in den Himmel bauen.
Manche müssen Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut bringen,
andere müssen die Einsamkeit aushalten
und das Fremdsein derer , die ihnen bislang nahe waren und die jetzt
so ganz anders auf die Krise reagieren als gedacht.

In dieser belastenden Zeit wird uns gesagt,
dass wir uns nicht noch mehr anstrengen müssen,
sondern dass wir mit Gottes Geist Kraft bekommen.

Julius Taufspruch erzählt uns davon:
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht
Sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.


Wir brauchen uns nicht leiten lassen von der Angst.
Das heißt nicht,
dass wir alle Vorsicht über Bord werfen,
sondern dass wir besonnen agieren.
Die Kraft dazu bekommen wir von Gott

Und wir bekommen den Geist der Liebe.
Das ist vielleicht das wichtigste,
denn sie ermöglicht es,
die anderen zu ertragen
auch wenn wir sie vielleicht nicht verstehen,
auch wenn sie gerade unerreichbar weit weg erscheinen.

Das erste Pfingstfest endet mit der Taufe vieler Menschen,
denn die Taufe ist das Zeichen der Liebe Gottes zu uns,
also die Sprache, in der wir von Gottes Liebe hören.

Und das soll heute Julius erleben,
und wir mit ihm.
Denn, das wir kleine Kinder taufen,
zeigt uns,
dass wir nicht erst etwas richtig Großes leisten müssen,
um zu Gott zu gelangen.

Gott schenkt uns seine Nähe.

Das durften Petrus und die anderen damals zuerst mit Jesus erfahren
und dann auch nach Pfingsten.
Sie mussten ihren Weg nicht aus eigener Kraft weiter gehen,
sondern aus Gottes Geistkraft.

Möge auch uns das Vertrauen auf die Nähe und Kraft Gottes
durch diese Zeit und unser Leben führen.
Und möge jede Taufe uns immer wieder daran erinnern,
dass wir aus Gottes Kraft und Liebe leben.
Amen

Aus Apostelgeschichte 2
1 Schließlich kam das Pfingstfest.
Auch an diesem Tag waren die Jüngerinnen und Jünger alle
versammelt.
2 Plötzlich setzte vom Himmel her ein Rauschen ein
wie von einem gewaltigen Sturm.
4 Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt,
und sie begannen, in fremden Sprachen zu reden;
jeder sprach so, wie der Geist es ihm eingab.

Die Menschen die das hörten, waren fassungslos.
Sie riefen: »Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?
8 Wie kommt es dann,
dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört?

Wir kommen aus ganz verschiedenen Ländern
und wir alle hören sie in unseren eigenen Sprachen
von den wunderbaren Dingen reden, die Gott getan hat!«
12 Alle waren außer sich vor Staunen.
»Was hat das zu bedeuten?«, fragten sie.

Gottesdienst am 24. Mai 2020 Exaudi

Predigt zu Johannes 16,3-15

Liebe Gottesdienstgemeinde!

In den letzten Wochen habe ich mich den Jüngerinnen und Jüngern Jesu in der nachösterlichen Zeit nahe gefühlt.
Näher als in anderen Jahren.
Ich konnte mich besser hinein versetzen in die Unsicherheit ihrer Situation
nach Jesu Tod.
Wie geht es weiter?
Diese Frage stellt sich ja nicht nur mir im Moment ganz anders als sonst.

Sonst war klar:
Nach Ostern kommt Konfirmation, dann Himmelfahrt und Pfingsten.
Alles in vertrauter, liebgewonnener Weise

Aber in diesem Jahr,
wussten wir so gar nichts.
Und es ist gut,
dass sich manches auch erst nach und nach klärt.
Wenn ich gleich am Anfang der Corona-Krise gewusst hätte,
was alles nicht geht,
und wie lange -
das hätte mich überfordert.
Und auch das war für die Jüngerinnen und Jünger wohl so ähnlich.
Jesus sagt, ich habe euch das alles nicht von Anfang an gesagt
Und später sagt er:
Ich habe euch noch vieles zu sagen,
aber das würde euch jetzt überfordern.

Schritt für Schritt gingen sie damals
und gehen wir heute durch diese Krise.
Wir üben,
nicht zu viel auf einmal zu wollen.
Sind unsicher,
was geht
und was jetzt noch nicht.
So gehen wir Schritt für Schritt.

In unseren Predigttext kündigt Jesus den nächsten Schritt an:

Wenn dann der Beistand kommt,
der wird euch helfen,
die ganze Wahrheit zu verstehen

Er wird der Welt vor Augen führen was
Schuld ist
Und Gererchtigkeit
Und Gericht

Und dann deutet Jesus doch in äußerst knappen Worten eine kurze Auslegung dieser zentralen Themen an
Schuld: dass sie nicht an mich glauben.
Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe, wo ihr mich nicht mehr sehen könnt.

Gericht: dass der Herrscher dieser Welt schon verurteilt ist.

Ich versuche diese Themen heute ein bisschen weiter auszuführen
und auf unsere Situation zu beziehen.

Schuld: das ist das fehlende Vertrauen ( dass sie nicht an mich glauben)
Schuld ist das theologische Wort für Trennung  –
für die Trennung von Gott, den anderen und mir selbst.

In dieser Zeit mit den ungewohnten Abstandgeboten
und der Trennung von vielem, was uns lieb ist,
ist es nicht leicht,
das Vertrauen zu bewahren,
das ja vor allem durch Nähe entsteht.

Und wir beobachten, dass es vielen verloren geht.
Es ist nicht nur so,
dass sie nicht an Jesus glauben,
sondern an gar nichts mehr,
oder – und das ist dann manchmal der nächste Schritt –
an die unerträglichsten Sachen.

Mit Bestürzung haben wir in den letzten Wochen die absurdesten Verschwörungstheorien gehört.
Ich glaube, dahinter steckt die Sehnsucht nach Sinn.

Es kann doch nicht sein, dass das alles hier keinen Sinn hat.
Dass alles völlig willkürlich geschieht,
was wir jetzt erleben.
Da muss es doch Zusammenhänge geben.
Wir Menschen habe die Sehnsucht danach, ihr Leben verstehen zu können.
Menschen möchten Teil von etwas sein
und das, was sie erleben, einordnen können.
Sie möchten anderen vertrauen können.

Jesus weiß um die Einsamkeit der Menschen,
die in allem keinen Sinn sehen,
und die sich isoliert und verlassen fühlen.

Wenn Sie doch vertrauen könnten.
Wenn Sie doch glauben könnten.
Wenn Sie doch seinen Worten und dem, der ihn gesandt hat, folgen könnten.
Sie müssten sich nicht so verloren fühlen.
Sie müssten nicht andere beschuldigen, für ihre Not verantwortlich zu sein.

Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe,
wo ihr mich nicht mehr sehen könnt
.
Warum ist Jesu  Weg zum Vater eine Frage der Gerechtigkeit?
Das finde ich spannend.
Denn das heißt doch.
Der, den die Mächtigen der Welt verspottet und gequält haben,
ist bei Gott,
auch wenn das nicht offensichtlich ist.

Die Frage nach der Gerechtigkeit stellen gerade im Moment viele, denn bei allen Sofortmaßnahmen der letzten Wochen und Monate gab und gibt es immer Ungerechtigkeit. Warum werden Ladenlokale mit 800 qm anders behandelt als die mit 801 qm? Das ist für Einzelne ungerecht und trifft sie hart.
Aber es geht nicht anders – Grenzen trennen.

Doch es schreit zum Himmel, dass ausgerechnet die Ärmsten und Schwächsten auf der Strecke bleiben.
Hier und vor allem in den Ländern des Südens.
Die Menschen in den Slums
ohne Zugang zu medizinischer Versorgung
Und ohne die Möglichkeit sich zu schützen.
In10 afrikanischen Ländern gibt es kein einziges Beatmungsgerät-
In ganz Somalia gibt es eines.

Was geschieht mit ihnen,
wenn die Krankheit sich dort weiter ausbreitet.
Was ist mit den Menschen in den Flüchtlingslagern?
Wann haben wir das letzte Mal etwas von ihnen gehört.

All diese Armen, unter Ungerechtigkeit Leidenden,
liegen Gott besonders am Herzen,
so wie der, der am Kreuz gequält und ermordet wurde.
Obwohl es so aussah, dass er von Gott in seinem Leid verlassen wurde,
ist er Gott besonders nah, was wir nur nicht sehen können.
Genau das gilt für die, die heute unter Ungerechtigkeit leiden,
von denen wir heute vielleicht denken, dass sie von Gott verlassen sind.
Ich gehe zum Vater, wo ihr mich nicht mehr sehen könnt.
Auch wenn die Welt nur einen gequälten Menschen sieht,
Gott ist gerade da und das ist eine Frage der Gerechtigkeit.

Gericht: dass der Herrscher dieser Welt schon verurteilt ist
Die Herrscher dieser Welt werden nicht das letzte Urteil sprechen.

Es steht zu befürchten, dass die Mächtigen mit dieser Krise noch mächtiger und reicher werden.
Und dass die, die skrupellos agieren, damit durchkommen.

In Gottes Augen soll das nicht sein.
Das Gericht ist immer das Hoffnungsbild der Gequälten und Verlorenen.
Es ist nicht egal, was sie erleiden – da kommt einer, der all das Leid sieht und beurteilt, das ist der Trost
des Gerichts.

In äußerster Knappheit reißt Jesus hier diese Themen an.
Wohl wissend,
dass die, die es hören,
überfordert sind
mit all der Ungerechtigkeit und der Schuld, die sie erleben.

Aber sie, und wir mit Ihnen,
müssen nicht allein damit klar kommen.
Wir müssen nicht allein bleiben mit unseren Fragen und mit der Ohnmacht,
denn der Geist der Wahrheit verbindet uns mit Jesus und mit dem Vater,
also mit Gott.

Nächste Woche feiern wir Pfingsten –
Wir feiern die Ankunft des Beistands,
der uns hilft zu verstehen – wo das geht.
und zu ertragen,
was wir jetzt ertragen müssen.
Das Feiern der Ankunft dieser Kraft Gottes ist der nächste Schritt,
darauf freue ich mich.
Amen

Evangelium für den Sonntag Exaudi.
Johannes 16, 3-15
Jesus spricht zum Abschied zu seinen Jüngerinnen und Jüngern: 
4 »Ich habe euch das alles nicht von Anfang an gesagt,
weil ich ja bei euch war.
5 Aber jetzt gehe ich zu dem,
der mich beauftragt hat.
Und keiner von euch fragt mich:
›Wo gehst du hin?‹
6 Im Gegenteil:
Ihr seid nur traurig,
weil ich euch das gesagt habe.

7 Doch ich sage euch die Wahrheit:
Es ist gut für euch,
wenn ich fortgehe.
Denn wenn ich nicht fortgehe,
kommt der Beistand nicht zu euch.
Aber wenn ich fortgehe,
werde ich ihn zu euch schicken.

8 Wenn dann der Beistand kommt,
wird er der Welt vor Augen führen,
was Schuld ist
und was Gerechtigkeit und Gericht –
9 Schuld: dass sie nicht an mich glauben;
10 Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe, wo ihr mich nicht mehr sehen könnt;
11 Gericht: dass der Herrscher dieser Welt schon verurteilt ist.

12 Ich habe euch noch vieles zu sagen,
aber das würde euch jetzt überfordern.
13 Wenn dann der Beistand kommt,
wird er euch helfen,
die ganze Wahrheit zu verstehen.
Denn er ist der Geist der Wahrheit.

Was er sagt,
stammt nicht von ihm selbst.
Sondern er wird das weitersagen, was er hört.
Und er wird euch ankündigen,
was dann geschehen wird.
14 Er wird meine Herrlichkeit sichtbar machen:
Denn was er euch verkündet,
empfängt er von mir.
15 Alles, was der Vater hat, gehört auch mir.
Deshalb habe ich gesagt:
Was der Geist euch verkündet, empfängt er von mir.«

Gottesdienst am 21. Mai 2020 Himmelfahrt

Predigt über Apostelgeschichte 1, 3-11

Liebe Gottesdienstgemeinde,

in diesem Jahr stand ich schon am Ort einer Himmelfahrt,
nicht nur ich – sondern unsere ganze Jordanienreisegruppe.

Wir waren nicht an dem Ort, von dem die Geschichte heute erzählt,
sondern da, wo an die Himmelfahrt des Propheten Elia erinnert wird – in der Nähe des Jordans.

Das zeigt mir, dass die Vorstellung einer Himmelfahrt für uns ungewöhnlich ist – 
In früheren Zeiten aber war das anders.
Auch vom Propheten Mohammed wird erzählt,
dass er in den Himmel aufgefahren ist.
Und in vielen anderen Konfessionen wird das Fest Mariä Himmelfahrt gefeiert.
Die Erzählungen von der Himmelfahrt dieser Menschen bezeugen deren besondere Nähe zu Gott.
Wer in den Himmel auffährt, ist bei Gott.

Und Christi Himmelfahrt beantwortete auch die Frage:
Wo ist Jesus eigentlich geblieben – nach seiner Auferweckung?
Himmelfahrt beendet die Zwischenzeit, die mit Ostern begann,
die Zeit, in der er sich ihnen immer wieder zeigte.

Zuvor war er seinen Freund*innen schon einmal entrissen worden. Sein Tod hatte sie unvorbereitet getroffen.
In der Zwischenzeit seit Ostern konnten sie sich jetzt auf den Abschied einstellen.

Christi Himmelfahrt ist eine Geschichte,
die vom Loslassen erzählt.
Und wir hören sie in einer Zeit,
in der wir auch sehr viel loslassen mussten
und jeden Tag aufs Neue müssen.

Liebgewordene Gewohnheiten.
Das Lächeln der anderen im Supermarkt.
Die Umarmung zur Begrüßung oder zum Abschied
Der Gottesdienst, so wie wir ihn kannten.

Gott sei Dank, gehen wir davon aus,
dass wir all das nicht für immer loslassen müssen.
sondern dass wir auch wieder ohne Masken in der Kirche sitzen dürfen,
und dass wir uns wieder berühren dürfen.

Aber erstmal müssen wir all das loslassen,
und auch die Planbarkeit,
denn wir wissen ja nicht, wann das so sein wird.
Dieses Nichtwissen macht es besonders schwer.
Geht das bis zum Sommer?
Bis in den Herbst?
Was ist Weihnachten?

Es hilft uns etwas loszulassen,
wenn wir wissen,
wie es weiter geht.

Auch Jesu Freundinnen und Freunde wollten gerne wissen,
wann es weiter geht mit dem Reich Gottes

Sie fragen:
»Herr, stellst du dann das Reich für Israel wieder her?«
Jesus antwortete ihnen:
»Ihr braucht die Zeiten und Fristen nicht zu kennen.“ Apg 1,6f
Und auch die zwei Männer,
die später erscheinen,
sagen dazu nichts.
Wann und wie kommt er wieder?

Denn bevor er wieder kommt,
müssen Jesu Freund*innen erstmal damit klarkommen,
dass er nicht mehr bei ihnen ist.

Und das ist schwer.
Sie stehen jetzt erstmal allein da.
Den Blick zum Himmel gewandt.
Vorhin haben wir versucht unsere Verbundenheit mit dem Himmel zu spüren,
aber der Blick in den Himmel,
kann auch dazu führen,
dass man sich ganz schön winzig und klein fühlt.
Allein und verloren.

Und gerade dann,
kann die Einsamkeit besonders groß sein,
wenn wir einen Menschen vermissen, der gestorben ist,
Oder wenn sich jemand von uns getrennt hat,
mit dem wir eng verbunden waren.
Eine Freundin meldet sich nicht mehr.
Der Kontakt zu den Eltern oder dem Kind ist abgerissen.
Eine Arbeitsbeziehung ist zu Ende gegangen

Es gibt ganz unterschiedliche Strategien damit umzugehen.
Aber wir haben alle die gleiche Aufgabe,
nämlich uns zu lösen,
von dem Menschen, der nicht mehr da ist.
Von den Gefühlen, die damit verbunden sind.
Von der Traurigkeit, der Ohnmacht und Enttäuschung,
von der Wut oder der Sehnsucht.

Jesu Freund*innen bekommen die Chance diese Ablösung jetzt zu vollziehen,
die bei Jesu Tod nicht gelungen war.

Sie haben die Zeit bekommen,
die sie gebraucht haben für den Abschied.

Und wir wissen ja,
dass so ein Schritt Zeit braucht,
aber irgendwann müssen wir ihn tun,
um unserer Gesundheit und Zukunft willen.

Wir müssen die Gedanken loslassen,
die sich immer nur im Kreis drehen,
die Sorgen, die uns immer tiefer herunterziehen.

Manchmal halten wir sie fest,
weil sie wie gute Bekannte geworden sind.
Sie sind uns vertraut
Und geben uns so Halt.

Wir halten an Problemen fest,
weil uns das Aufmerksamkeit und Zuwendung sichert.
Wir halten fest,
um die Kontrolle nicht zu verlieren.

Aber zu viel Festhalten macht mürbe, stresst,
macht krank.

Doch dabei muss es nicht bleiben.
Jesus sagt: Wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt,
werdet ihr Kraft empfangen. (Apg 1,8)

Gottes Geist kräftigt und stärkt uns
Wir können Abschied nehmen,
denn wir sind nicht allein.
Gottes Geist macht uns zu erfüllten Menschen,
wertvoll und voller Vertrauen.

Ein Tag wie heute kann ein Anstoß sein,
sich bewusst zu machen,
dass sich lösen immer wieder nötig ist.

Sich- Lösen entkrampft.
Es führt zu neuen Sichtweisen.

Erst wenn du Abstand gewinnst,
kannst du die Dinge von einer anderen Seite betrachten
und kommst möglicherweise zu neuen Erkenntnissen.

Vielleicht auch zum Wunsch nach Veränderung.

Sich lösen hilft, wieder mehr bei dir selbst zu sein.
Heraus zu finden,
was du willst,
was du brauchst,
und was du nicht willst.

Das dient deiner Erholung.
Der Erhaltung deiner Gesundheit.
Und gibt dir Kraft für Neues.

Erst wenn du das Alte losgelassen hast,
kannst du Neues in den Blick nehmen.
Und da kann der Blick erstaunlich weit gehen.

Jesus sagt: Wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt,
werdet ihr Kraft empfangen.
Dann werdet ihr meine Zeugen sein –
in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien
und bis ans Ende der Erde.« (Apg 1,8)

Das ist ein weiter Horizont.
Da ist viel möglich.
Mit so einem weiten Horizont können wir einen Schritt nach dem anderen gehen.

Jesus schickt seine Leute ja auch nicht gleich in den hintersten Winkel der Erde
sondern er lässt die Kreise langsam größer werden.
Erst Jerusalem – ganz in der Nähe
Dann etwas weiter – Judäa
Etwas fremder – Samarien
Und dann können sie auch ferne Länder in den Blick nehmen – die Enden der Erde.
Nach und nach können sie überall die verändernde Kraft Gottes erleben und bezeugen.

Und weil sie das getan haben,
hören wir heute davon,
dass wir loslassen können
und unser Leben mit neuer Kraft leben können
im Vertrauten - Erst Jerusalem –
im etwas weiteren Kreis – Judäa
wenn wir etwas Fremdes ausprobieren – Samarien
Und wenn du dich traust  - kannst du das Ganze in den Blick nehmen.

Und dann werden wir auch manches,
was wir loslassen mussten,
am Ende neu geschenkt bekommen.

Wir werden neue Formen des Umgangs finden,
eine Form, wie wir Gottesdienst feiern können,
ohne uns fremd und verloren zu fühlen.

Oder wenn wir einen Menschen loslassen,
gewinnt er oft erst die Freiheit sich uns wieder zuzuwenden.

Selbst wenn wir einen Verstorbenen gehen lassen müssen,
wird er uns auf neue ganz andere Weise nah sein können,
in unserer Dankbarkeit und Erinnerung.

Die Engel sagen.
Jesus wird wieder kommen,
er ist nicht in einen fernen Himmel gegangen.
Er wird wiederkommen,
wenn wir ihn erwarten.

Nur wann das wissen nicht,
Möge uns bis dahin Gottes Geistkraft erfüllen
und unsere Verbindung zum Himmel
und zu den Enden der Erde und allen, die auf ihr leben, stärken

Amen


Apostelgeschichte 1,3–11

3 Nach seinem Leiden zeigte sich Jesus immer wieder
und bewies seinen Freundinnen und Freunden so,
dass er lebt.
Vierzig Tage lang erschien er ihnen
und sprach zu ihnen über das Reich Gottes.

4 Einmal, als sie zusammen saßen,
schärfte er ihnen ein:
»Verlasst Jerusalem nicht!
Wartet darauf,
dass in Erfüllung geht,
was der Vater versprochen hat.
Ihr werdet in wenigen Tagen
mit dem Heiligen Geist getauft werden.«

6 Da fragten ihn die Versammelten:
»Herr, stellst du dann das Reich für Israel wieder her?«

7 Jesus antwortete ihnen:
»Ihr braucht die Zeiten und Fristen nicht zu kennen.
Mein Vater allein hat sie in seiner Vollmacht festgelegt.

8 Aber wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt,
werdet ihr Kraft empfangen.
Dann werdet ihr meine Zeugen sein –
in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien 
und bis ans Ende der Erde.«

9 Nach diesen Worten
wurde er vor ihren Augen emporgehoben.
Eine Wolke nahm ihn auf,
sodass sie ihn nicht mehr sehen konnten.

10 Die Apostel starrten wie gebannt zum Himmel,
während er verschwand.
Und sieh doch:
Da standen zwei weiß gekleidete Männer bei ihnen.

11 Die sagten:
»Was steht ihr da und schaut zum Himmel?
Jesus wurde aus eurer Mitte
in den Himmel aufgenommen.
Er wird auf dieselbe Weise wiederkommen,
wie er vor euren Augen
zum Himmel weggegangen ist.«

Gottesdienst am 17. Mai 2020 Rogate

Predigt / Andacht

Jubilate! Kantate! Rogate! Zu Deutsch: Jubelt! Singt! Betet! – So lauten die alten Namen dreier nachösterlicher Sonntage.

Heute begehen wir den dritten unter ihnen, der uns mit der Aufforderung zu beten begegnet: Rogate! Es sind Namen wie Glockenschläge, die aller Welt ihre Botschaft verkünden. Darum ist es auch wenig verwunderlich, dass tatsächlich viele Glocken mit den Namen dieser Sonntage belegt wurden: Jubilate! Kantate! Rogate!.

Das Wort kommt aus dem Lateinischen und heißt vorerst einmal „Fragen“.

Wie oft im Leben stellen sich uns Fragen. Unwichtige, wichtige oder gar existenzielle.

„Hat die Eisdiele schon geöffnet ?“ oder „Werde ich dieses Jahr noch Weihnachten erleben?“.

Oft wissen wir, wen wir fragen können, manchmal sind wir mit unseren Fragen allein.

Wer kann mir helfen, an wen kann ich mich wenden? Gerade jetzt in dieser Zeit, wo so viele Menschen den Kontakt von Mensch zu Mensch vermissen, da sie zu Hause sitzen.

Aus Angst oder aus Sorge oder einfach, weil es von Ihnen erwartet wird.

Meistens enthält die Frage schon die ganze Antwort in sich, zum Beispiel: „Werden meine Kinder gesund aufwachsen, ein lebenswertes Leben haben und glücklich sein?“.

In solchen Fragen ist eine Bitte enthalten, um Gesundheit, um ein lebenswertes Leben, um Glück.

Oder ein Ersuchen.

Und wie erleichternd, wie befreiend kann da eine Antwort, eine Bestätigung sein?

Damit sind wir von der Frage und der Bitte über das Ersuchen beim Beten angekommen.

Denn ganz alleine sind wir niemals.

Gott hat immer ein offenes Ohr für unsere Fragen.

Wir können ihn jederzeit im Gebet fragen.

Ihm unsere Bitten und Ersuchen vortragen.

Im Gebet das Gespräch mit Gott suchen.

Darum begehen wir diesen Sonntag. Darum die Aufforderung zum

Gebet. Im Gebet tragen wir die große und auch unsere kleine Welt vor Gott.

Hierzu lädt Gott ein:

Jubilate! Freut Euch, seid glücklich, jubiliert.

Kantate! Singt, jubelt, entfaltet Euch.

Rogate ! Fragt, bittet, betet..

Amen


Evangelium

Der heutige Evangeliumstext steht bei Matthäus 6, Vers 5 bis 15
Ich bitte Sie dazu, aufzustehen.

5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.
8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.
10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
11 Unser tägliches Brot gib uns heute.
12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]
14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.
15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

... die nicht gehalten werden konnten.

Prädikant Michael Brecklinghaus

Gedanken für die Wochen nach Ostern

Videogottesdienst aus der St. Andreas Kirchengemeinde Ashausen für den 05. April 2020

Prädikant Michael Brecklinghaus