Das Thema


Vergessen werden

Gottes Tattoo
So hoch er kann ist er auf den Baum geklettert. Er
versteckt sich im Laub und hofft, dass die anderen ihn
und seine Tränen nicht sehen. Es kann doch nicht sein,
dass seine Mama vergessen hat, ihn heute aus der Kita
abzuholen. Sonst ist sie um diese Zeit doch immer schon
da. Als sie wenig später durch das Tor kommt, fliegt er in
ihre Arme.

Dass er ihren Geburtstag vergessen hat, daran muss sie
immer noch denken. Sie versucht, es ihm nicht übel
zu nehmen, doch der Schmerz sitzt tief. Vergessen zu
werden tut weh – vor allem, wenn Gefühle wie Einsamkeit,
Hilflosigkeit, Selbstzweifel oder Scham mit diesem
Erleben verbunden sind.

Und wir alle achten mit Sorge auf Zeichen, die darauf
hindeuten könnten, dass ein vertrauter Mensch oder gar
wir selbst das Gedächtnis verlieren. Wenn der alte Vater
die Tochter nicht mehr erkennt und in ihr eine Fremde
vermutet, dann schmerzt dies.
Vergessen zu werden ist schlimmer als verlassen zu
werden. Die Rabbinen sagen: Ein Mann, der seine Frau
verlässt und eine andere nimmt, hat doch die erste nicht
vergessen.

Um nichts zu vergessen, schreibe ich mir viele Zettel.
Andere schreiben direkt auf die Hand, woran sie denken
wollen. Das entlastet. Was ich aufgeschrieben habe, kann
ich nicht so schnell vergessen. Und doch geschieht es:
Wir vergessen etwas, weil der Kopf voll ist mit anderen
Dingen, weil wir unkonzentriert sind und damit bereiten
wir anderen Kummer.
Quelle: GB St Andreas
Wie groß ist erst der Schmerz, wenn wir das Gefühl
haben, von Gott vergessen zu sein, so wie die Menschen,
die nach Babylon verschleppt worden waren. „Verlassen
hat uns Gott. Der Herr hat uns vergessen“, sagen sie,
doch Jesaja hält dagegen: „Kann denn eine Frau ihr Kind
vergessen? Und selbst wenn sie es vergisst, spricht doch
Gott: Ich vergesse dich nicht. Sieh hier: Ich habe dich
unauslöschlich eingezeichnet in meine Hände.“

Unsere Namen sind in Gottes Hände gezeichnet – nicht
mit wasserlöslichem Stift bis zur nächsten Prüfung oder
mit Edding, sondern für immer. Sie sind damit quasi
ein Teil der Hände Gottes, wie ein Tattoo oder gar wie
die Linien, die wir alle in unseren Händen haben, und
die diese einzigartig machen. Dieser Eintrag bleibt, so
Jesaja, selbst wenn Gott nicht für uns unsere Probleme
löst. Unsere Namen sind noch da, wenn wir traurig und
einsam sind und das Gefühl haben, von Gott und der
Welt verlassen zu sein.

Mit diesem unter die Haut gehenden Eintrag werden wir
zugleich ein Teil der göttlichen Hände und können die
Menschenfreundlichkeit Gottes selbst zeigen, z.B. wenn
wir uns melden bei Menschen, die sich lange schon vergessen
fühlen.

Ihre Pastorin
Anja Kleinschmidt

Vergessen werden

Die große Leere
Freitag, den 13. März 2020 werden wir wohl alle nicht vergessen!
Das war der Tag, an dem von der Landesregierung
beschlossen wurde, dass aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus
vorerst Schulen, Kindergärten, viele Geschäfte,
sowie Restaurants geschlossen wurden.
Ab 16. März waren die Straßen in Stelle wie ausgestorben
– ähnlich wie in den Sommerferien. Zwar fuhren noch die
Schulbusse in der Woche, aber die Sitze waren leer.
Eine Notbetreuung für Kinder, deren Eltern in so genannten
systemrelevanten Berufen arbeiten, z.B. in der Pflege,
durften ab dem 20. März in die Kita kommen.
Wo sonst über 80 Kinder von morgens bis zum Nachmittag
zusammen spielen und Spaß haben, trafen vorerst nur wenige
aufeinander.
Quelle: GB St Andreas
Sich ständig ändernde Richtlinien, die von der Landesregierung
beschlossenen Erweiterungen des Personenkreises,
der seine Kinder in die Notbetreuung bringen durfte,
machte das Arbeiten nicht gerade einfacher.
Haben wir an alle gedacht und niemanden vergessen? Der
Informationsfluss war groß, doch wir konnten die Meisten
per Mail informieren!
Und die Kinder? Einige Kolleginnen fingen an, Videos mit
einer Handpuppe zu drehen, die die Kinder direkt angesprochen
hat. Außerdem haben wir Lieder gesungen und
kleine Geschichten erzählt. Eine Waldrallye wurde ausgearbeitet
und hat die Kinder mit ihren Eltern zu Ausflügen
in den Buchwedel gelockt. Dank des Internet und technisch
begabten Kolleginnen, konnten wir die Filme als Link zu
einer Dropbox an die Eltern schicken.
Noch befinden wir uns in einem so genannten „eingeschränkten
Regelbetrieb“, heißt für uns und die Kinder,
weiterhin achten wir auf Abstände, auf häufiges und gründliches
Hände waschen und darauf, dass die
Situation immer noch besonders ist und wir
dies noch nicht vergessen sollten.
Dagmar Albrecht

Vergessen werden

Alt-Sein und Vergesslichkeit in Zeiten der Pandemie
Für ältere Menschen hing es davon ab, wo und wie sie
wohnten, als die Corona-Epidemie im Frühjahr dieses
Jahres zum Lock- oder Shutdown des öffentlichen Lebens
führte. Wer noch in den eigenen vier Wänden lebte, folgte
meist der Devise: „Deutschland bleibt zuhause!“ Ältere
Mitmenschen wurden dann von Angehörigen, Freunden,
Nachbarn oder einem ambulanten Pflegedienst versorgt
und betreut. Ansonsten blieben für soziale Kontakte nur
das Telefon und ein Spaziergang oder Besorgungsgang
zum nächsten Lebensmittelladen. Da trafen man oder
frau andere Menschen, mit denen sie kurz reden und Erinnerungen
(auch an kürzlich passierte Neuigkeiten) teilen
konnten. Daheim wurde es für die Einsamen sehr still. Die
Gedanken wurden langsamer, die Erinnerungen nebulöser,
die Zunge schwerfälliger und die Beine noch schwerer. Man
oder frau war nicht in Kontakt oder in Aktion wie sonst.
Wie gut, als Ende Mai endlich die Lockerungen kamen!

In den klassischen Alten- und Pflegeheimen waren pflegebedürftige
ältere Menschen gut aufgehoben und vor einer
Infektion geschützt. In nur ganz wenigen Ausnahmen zog
das Corona-Virus wie ein Flächenbrand mit fatalen Folgen
durch einzelne Einrichtungen. In Deutschland haben das
Pflegepersonal, aber auch die Betreiber von Alten- und
Pflegeeinrichtungen aufgepasst. Alle haben Krisenstäbe
eingerichtet, Pandemiepläne aufgestellt und sind nach
strengen Hygienevorschriften verfahren. In Diakonie- und
Caritas-Heimen, in Einrichtungen der freien Wohlfahrt
und auch in gewerblichen Einrichtungen wurde stark auf
den Schutzwall geachtet. Strikt wurde das Betretungsverbot
durchgesetzt, bis durch Besuchskonzepte erste Lockerungen
möglich waren. Ende Mai! Endlich!

In den 23 Häusern des Augustinum waren deutschlandweit
nur vier Todesfälle zu beklagen, 16 an Corona erkrankte
Bewohnerinnen und Bewohner sind wieder gesund geworden.
Wo immer das Virus aufgetauchte, konnte es im
Augustinum gut auf die separate Wohnung des Erkrankten
eingegrenzt werden. Aus dem sehr sporadischen Auftauchen
des Virus ergab sich nicht automatisch ein Flächenbrand.

Der gute Schutz älterer Menschen in allen Einrichtungen
des Seniorenwohnens sowie auch daheim in den eigenen
vier Wänden hatte einen hohen Preis: Die sozialen Kontakte
der älteren Herrschaften waren stark eingeschränkt. Eine
entbehrungsreiche Zeit sowie eine Zeit, in der altersbedingte
Rückschritte des Älter-Werdens beschleunigt wurden. Wie
gut, dass dann der Juni mit den vielen Lockerungen kam!
So konnten die mühsamere Gedankenfindung, die schwerfälliger
gewordene Sprache und die schwerer gewordenen
Beine wieder reaktiviert werden. Das Aussprechen von Erinnerungen
ist nämlich das wirksamste Mittel gegen das Vergessen!

Wer via Internet soziale Kontakte pflegen konnte, hatte im
Shutdown deutliche Vorteile. Technikaffine Bewohnerinnen
und Bewohner des Augustinum haben z. B. per „Skype“
das Gespräch mit ihren Lieben gesucht. Auch im Vorteil
war, wer als selbständige*r Mieter*in seiner eigenen Wohnung
seine Bewegungsfreiheit weitgehend behalten hatte.
Das ist auch für Bewohner*innen des Augustinum der
Fall. Auch wenn sie alle daheim keinen Besuch empfangen
konnten oder wollten, so konnten sie unterwegs sein und
einkaufen oder mit ihren Besucher*innen draußen spazieren
gehen, wenn sie den nötigen Abstand dabei wahrten.

Was aber tun, um gerade über die österliche oder pfingstliche
Festzeit kulturelle Erbauung live und nicht nur aus dem
Fernsehen genießen zu können? Im Augustinum Aumühle
haben wir – wie andernorts auch – z. B. Balkonkonzerte
veranstaltet, bei denen die Musiker vom Park aus hinauf zu
den nun zu Theaterlogen mutierten Balkonen für Kunstund
Kulturgenuss gesorgt haben. Einmal kam sogar das
Bundesjugendballett zu uns und hat auf dem Rasen getanzt.
Der eine oder die andere hat dann sein Opernglas
herausgeholt und konnte aus seiner Balkonloge ganz nah
mit dabei sein.

Jetzt ist alles wieder besser, wenn auch lange noch nicht so
wie früher: Es gibt hier im Augustinum Aumühle wieder
einen Restaurantbetrieb, so dass man mittags in einer kleinen
Tischgemeinschaft miteinander essen kann, was zuvor
nur relativ einsam auf dem eigenen Appartement möglich
war. Jetzt gibt es auch wieder Kulturveranstaltungen im
Theatersaal. Mit Maske und Abstand können unsere älteren
Herrschaften wieder Vorträge hören, Gottesdienste miteinander
feiern, Kinofilme schauen oder Kammermusik live
hören (freilich keine Chöre oder Bläser*innen). Wie gut,
dass die Lockerungen kamen und damit der Besuch seit
Juni sogar wieder auf die eigene Wohnung kommen darf!
Kein Betretungsverbot, sondern Gespräche von Angesicht
zu Angesicht. Das tut den eigenen Erinnerungen gut, denn
sie können nun im Gespräch entfaltet werden. Und das hilft
gegen das Vergessen!

Pastor Dr. Christian Bendrath
Direktor des Augustinum Aumühle und Vorsitzender der
Gesellschafterversammlung der Diakoniestationen Nordheide

Vergessen werden

Quelle: Jonas
Ein Bild von Jonas für die einsamen Menschen in unserer Gemeinde.

Vergessen werden

Abschiedsparty in der Coronazeit
Am Mittwoch, den 15. Juli, hatten die vierten Klassen Abschiedsparty
unter freiem Himmel. Es war alles nicht normal,
weil Corona ja da war. Zum Beispiel mussten alle Abstand
halten, wir durften nicht singen, was glaub ich alle doof
fanden (außer die Jungs).
Wir haben unsere Zeugnisse bekommen, durften uns nicht
zu nahe kommen und hatten alle einen Mundschutz auf.
Ich glaube wir hätten uns alle gerne noch einmal umarmt,
aber das konnten wir ja nicht.
Es ist zwar doof mit Corona, aber unsere Lehrer und Helfer
haben das Beste daraus gemacht.
Wir werden uns alle vermissen,
aber bleiben für immer Freunde.
Hannah Weihofen

Vergessen werden

Das hätte ich fast vergessen
Kennen Sie das? Wenn wir Erinnerungen austauschen oder
von Erlebnissen erzählen, die lange zurück liegen, dann
kehrt nach und nach immer mehr in unser Gedächtnis zurück.
Manches fast Vergessene kommt uns dann neu vor
Augen. Diese Erfahrung machen derzeit die Mitglieder der
Biografiewerkstatt bzw. ihre Interviewpartnerinnen und
-partner. Vielleicht haben Sie bislang gedacht: Was habe ich
schon zu erzählen? Dieser Gedanke sollte kein Hinderungsgrund
sein, sich bei uns zu melden, denn es wird Ihnen mehr
einfallen als sie am Anfang denken. Natürlich erzählen Sie
nur das, was Sie wollen, und auch nur das, was Sie genehmigt
haben, veröffentlichen wir. Sollten Sie 80 Jahre und älter sein,
melden Sie sich gern bei Pastorin Kleinschmidt und werden
mit Ihrer Lebensgeschichte Teil der noch nicht erzählten Geschichten
aus Ashausen.
AK


Krisenzeit

Schlafen
Als es los ging mit den Schutzmaßnahmen zur Eindämmung
des Corona-Virus war ich oft so müde. Ich merkte,
ich brauchte mehr Schlaf als üblich. Die Angst im
Nacken, zu unvorsichtig zu sein und die Frage im Kopf,
was ist jetzt nötig und geboten, kosteten Kraft. Bis heute
müssen wir jeden Tag Entscheidungen treffen, deren
Konsequenzen wir nicht absehen können. Wie geht es
weiter mit unseren Gottesdiensten? Ist es ein Gebot der
Nächstenliebe, auf sie zu verzichten oder tritt die Kirche
zu defensiv auf? Und wie werden wir sie erleben? Mit
Maske? Das sind nur einige von vielen Fragen, die unterschiedlich
beantwortet werden.
Eine Krise ist eine Zeit der Unsicherheit, ein Wendepunkt,
an dem es einen Richtungswechsel gibt. Es gilt
Entscheidungen zu treffen, damit die Kurve der Neuansteckungen
flach bleibt.
Nach der Ruhe kommt die Kraft
Einer Krisenzeit entstammt auch der Monatsspruch für
den Juli. Im Königreich Israel waren richtungweisende
Entscheidungen zu treffen. Es ging um die Frage,
welchem Gott man vertrauen kann. Elia hatte sich dafür
stark gemacht, nur auf den Gott Israels zu setzen. Und es
war eine echte Energieleistung gewesen, den König und
all seine Berater von seinem Weg zu überzeugen. Und
er war auch über das Ziel hinausgeschossen, als er sich
an seinen Gegnern rächte. Danach fühlte er sich völlig
ausgebrannt und zog sich in die Wüste zurück, wo er nur
noch schlafen wollte. Dort fand ihn der Engel Gottes,
rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast
einen weiten Weg vor dir (1.Kön 19,7). Wohin der Weg
führen würde, sagte er nicht. Der Engel stellte einen Krug
mit Wasser und Brot neben den erschöpft schlafenden
Elia. Bis der die Kraft fand, sich wieder auf den Weg zu
machen, musste der Engel das noch einmal tun.
Nahrung für den weiten Weg
Ich spüre, auch unser Weg aus der Krise ist noch weit
und wir wissen nicht, wohin er uns führt. Auf diesem
Weg gilt es nicht nur Gott, sondern auch Experten und
EntscheidungsträgerInnen zu vertrauen und zur Ruhe
zu kommen. Während es manchen längst zu viel ist mit
der Ruhe, erzählen andere, dass ihnen die innere Ruhe
gerade jetzt fehlt. Denen wünsche ich sie, denn erst dann
heißt es: Steh auf und iss! Du wirst genährt.
In diesem Heft können Sie Beiträge lesen, in denen Menschen
davon erzählen, was sie bisher durch die Krise getragen
hat, aber auch was sie besonders vermissen. Und
wir machen Angebote, die Sie in den nächsten Wochen
und Monaten nutzen können, in denen das gewohnte
gemeindliche Leben fehlt.
Gottes Kraft überwindet Grenzen
Es ist Pfingstzeit, wenn sie den Gemeindebrief in den
Händen halten. Dieses Fest erinnert an die unfassbare
Geistkraft Gottes, die Jesu Freundinnen und Freunden
geschenkt wurde. Die zeigt sich unter anderem darin,
dass sie Grenzen überwindet. Damals waren es die Grenzen
verschiedener Sprachen, heute sind es die Einschränkungen
im gesellschaftlichen Leben, die uns trennen.
Vertrauen wir darauf, dass diese kein Hindernis dafür
sind, dass Gottes Kraft uns stärkt auf dem weiten Weg,
der vor uns liegt. Möge Gottes Geist uns erfüllte Tage
schenken und uns durch Anstrengung, Unruhe, Angst
oder Langeweile führen.
Bleiben Sie behütet und gesund bis wir uns wiedersehen.

Ihre Pastorin
Anja Kleinschmidt

Krisenzeit

Unsere Gemeinde und Corona
Angst und Sorge bestimmen für viele derzeit den Alltag
in bisher nicht gekannter Weise. Die Sorge um das eigene
Leben und das derer, denen wir verbunden sind, sowie die
Angst, die Existenzgrundlage zu verlieren sind extrem belastend.
Hinzu kommt eine große Überforderung: Homeoffice
und Homeschooling – wie soll das zusammen gehen?
Frust und Enttäuschung tun das ihre: Was wird aus dem langersehnten
Urlaub? Und wenn dann noch die Rücksichtslosigkeit
anderer dazu kommt, die sich da entlädt, wo sie auf
keinen Fall hingehört – z.B. an der Kasse des Supermarktes,
spüren wir die Grenzen unserer Belastbarkeit. Die Beiträge
in diesem Heft sind größtenteils entstanden in der Zeit des
Lockdowns. Wir hoffen, dass Sie trotz aller Belastung auch
gute Erfahrungen machen konnten und jetzt zum Lesen
eine ruhige Minute finden.
A.K.

Krisenzeit

Spiritual Journay statt Gemeindegruppen
Einen Gemeindebrief ohne die Rubriken „Regelmäßige
Gruppen“ und „Veranstaltungen“, so ein Heft, gab es noch
nie, doch im Moment ist es nicht absehbar, dass wir vor
den Sommerferien Termine anbieten können. Immerhin
planen wir Gottesdienste; aber wie diese sich gestalten werden,
das wissen wir noch nicht. Die Entscheidungen, die
der Kirchenvorstand bei seinen regelmäßigen Telefonkonferenzen
zu treffen hat, fallen nicht immer leicht.

Folgende Angebote bestehen zurzeit:
Unsere Kirche ist geöffnet zum persönlichen Gebet. Sie
können dort auch eine Kerze entzünden. Vor der Kirche
gibt es einen „Segen to go“ und weitere Anregungen für zu
Hause. Im Coronakasten im Kirchvorraum können Sie Ihre
Gebetsanliegen, Ideen und Fragen hinterlassen, während
wir uns in der Kirche über selbstgebastelte Tauben freuen.
Sie erinnern daran, dass uns seit Pfingsten Gottes Geistkraft
versprochen ist. Und wir laden Sie ein, Pfingststeine auszulegen
oder zu suchen. Genau wie die Ostersteine zeigen
sie uns, dass Gott uns mit seinem Geist durch diese Zeit
begleitet.

Am Eingang der Kirche finden Sie auch Impulse für eine
„Spiritual Journey“, einen Gang durch unser Dorf. Geleitet
von einem kleinen Büchlein können Sie besondere Plätze
im Ort aufsuchen und die dort vorgeschlagenen Themen
bedenken. Gern senden wir Ihnen das Heft auch zu, wenn
Sie dies wünschen.

Bitte nutzen Sie unseren Schaukasten und unsere Website,
um sich aktuell über neue Pläne und Entwicklungen zu
informieren. Dort finden Sie auch ein Gottesdienst- und
Predigtangebot. Und selbstverständlich bin ich gern zum
Gespräch bereit – rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir.

Bleiben Sie behütet und gesund.
Anja Kleinschmidt

Krisenzeit

Unsere Hand geschriebene Bibel
Im Jahr der Bibel haben wir dazu eingeladen, ein Kapitel
der Bibel mit der Hand abzuschreiben, um am Ende eine
ganz individuelle handgeschriebene Ashäuser Bibel zu haben.
Schulklassen, Konfigruppen und viele Einzelpersonen
haben sich an diesem Projekt beteiligt, doch fertig geworden
sind wir nicht. Vielleicht haben Sie Lust, unserem Buch
ein weiteres Kapitel hinzuzufügen, jetzt wo wir unseren
gewohnten Beschäftigungen nicht nachkommen können.
Sich so mit einem Bibeltext zu beschäftigen kann ihn uns
besonders nahe bringen. Bevor Sie mit dem Schreiben beginnen,
rufen Sie mich bitte an, damit wir ein bisher noch
nicht geschriebenes Kapitel auswählen können.
Anja Kleinschmidt

Krisenzeit

Kurzes Update einer Vierfachmami
Mama, Erzieherin, Putzfrau, Köchin, Streitschlichterin,
Managerin, Krankenschwester und das Schlimmste zurzeit
LEHRERIN. Home-Schooling. „Die Eltern brauchen nicht
zu helfen, das können die Kinder ganz allein.“ Pustekuchen!
Während mein Februarbaby im Tragegurt bei mir schlummert
(er braucht immer unsere Nähe), möchte der Große,
dass ich ihm Mathe erkläre. Der Witz überhaupt, Mathe
und ich stehen seit der 5. Klasse auf Kriegsfuß miteinander.
Klar, ich lese mich da kurz ein. Die Wäsche piept und das
Nudelwasser kocht. Die 9 jährige trällert fröhlich ihre Lieder,
während die 4 jährige ihren Maltisch neu anmalt und
dabei fünf Packungen Maoam verputzt. Der Postbote klingelt
und die Windel muss gewechselt werden. Wo fange ich
an? Meine tägliche Frage an mich selbst.
Durchatmen. Kaffee. Fünf Minuten vor die Tür
und weiter geht’s … Denn ein Ende ist noch
lange nicht in Sicht.
Anneke Schmidt

Krisenzeit

Nichts ist sicher
Ich vermisse meine Freunde und freue mich auf die Schule.
Ich möchte immer im Hinterkopf behalten, dass auch wenn
man z.B. Konzertkarten hat, es nicht sicher ist, das man
hingehen kann!
Von
Amy (10 Jahre)

Krisenzeit

Was vermisse ich am meisten?
Ich habe nochmal genau überlegt, was ich wirklich in dieser
Zeit am meisten vermisse. Da fallen mir zuerst meine
Mutter und mein Großvater ein. Aber natürlich auch meine
Freunde und die Kontakte zu anderen Menschen. Ich wäre
auch gerne zum Oster-Gottesdienst gegangen.
Aber dann ist mir schon nicht mehr viel eingefallen. Das
kann doch nicht schon alles gewesen sein, oder?
Also habe ich mich gefragt, was mir wirklich wichtig ist.
Dabei habe ich festgestellt, dass alles andere, was ich brauche,
schon da ist! Ich kann mich mit einem Kaffee in den
Garten setzen, mein Kleiderschrank ist voll, ich habe meine
Familie um mich und es haben sich ganz andere, neue
Wege gefunden mit anderen Menschen in Kontakt zu sein.
Sei es durch einen Spaziergang, mit den Nachbarn über den
Gartenzaun oder eine Verabredung zum Kaffee trinken per
Videoanruf. Ich freue mich über die Aktionen unserer Kirchengemeinde,
die uns miteinander verbinden und damit
Freude in viele Herzen bringen. Und ich habe
meinen Glauben, der mich in dieser besonderen
Zeit stärkt, dass irgendwann auch wieder
andere Zeiten kommen!
Barbara Dell

Krisenzeit

Ruhe am Himmel
Mir tut die Auszeit sehr gut. Ruhe am Himmel und auf den
Straßen, das könnte gerne so bleiben. Zeit zu haben für
meinen Garten, für die wenigen Menschen, die um mich
sind, das finde ich sehr schön. Allein meine Enkeltochter
fehlt mir sehr.
Vielleicht gelingt es uns als Gesellschaft, ebenfalls
das Schöne an der Auszeit zu würdigen und uns davon etwas
zu bewahren.
Das wünsche ich uns.
Helga Schenk

Krisenzeit

Entschleunigung
Es war wie damals, als ein ICE mit über 200 km/h plötzlich
abbremste. Der Kaffeebecher rutschte ans andere Ende des
Tisches, ich konnte ihn gerade noch mit der Hand festhalten.
Die Mitreisenden machten eine gleichmäßige Verbeugung in
Fahrtrichtung. Mein Magen fühlt sich flau an. Mein Buch
landete auf dem Boden. Die Bremsen quietschten laut, dann
war es still.

Mitte März 2020: Ein Termin jagd den anderen und im gleichen
Tempo spitzt sich die Nachrichtenlage zu. Es fängt an
mit den Absagen bei den Vereinen der Kinder, Sport, Musikschule,
Konfirmandenunterricht, dann die eigenen Termine
Konzerte, Konferenzen, Flohmarkt, Verabredungen... Es
schließt die Schule. Die Vorbereitungen für den Osterurlaub
lege ich auf Eis. Schließlich schickt mich mein Arbeitgeber
nach Hause. Mein Magen fühlt sich flau an. Im Terminkalender
ist alles durchgestrichen. Es ist still, ganz still.
Aber es tut sich ein Raum auf. Dinge tun, für die man eigentlich
nie Zeit hat. Im Garten wühlen, die Speisekammer
aufräumen, einen Gottesdienst gemeinsam mit der großen
Tochter im Internet schauen, ganz viele Gesellschaftsspiele
mit den Kindern spielen und einfach mal dasitzen und
nichts tun. Den Terminkalender brauche ich nicht mehr.

Der Zug fuhr langsam wieder an. Der Kaffeebecher war inzwischen
leer und das Buch habe ich auf dem Boden liegengelassen.


Es ist Ende April und ich brauche meinen Terminkalender
wieder. Das Leben nimmt wieder ziemlich Fahrt auf.
Ich möchte mir gerne etwas bewahren, etwas
aus der Zeit des Stillstands mitnehmen.
Kann ich bitte etwas langsamer fahren!
Ulrike Plönnigs

Krisenzeit

Was hilft mir, worauf freue ich mich?
Die Coronakrise hat den Alltag der Menschen durcheinander
gebracht. Nichts ist mehr wie es war. Alles abgesagt,
vertagt, verschoben: Zusammensein mit Freunden und
Nachbarn, Spielrunden, Konzerte, Familientreffen, Ferientage
im Saarland … Der persönliche Austausch fehlt, selbst
das Gemeindebrief-Redaktionsteam musste sich über eine
Telefonkonferenz verständigen.
Ich freue mich auf die Zeit, wenn sich alles entspannen und
zum Guten wenden kann, menschliche Begegnungen stattfinden,
endlich wieder Friseurtermine vergeben werden
und ich wieder ohne Maske einkaufen kann … obgleich ich
eine von Amelie genähte, sehr schöne blaue Maske habe.
Doch alles ist auszuhalten. Einige Menschen haben uns
ihre Hilfe angeboten, die wir glücklicherweise nicht in Anspruch
nehmen müssen. Durch ein nahe gelegenes Wäldchen
und unseren Garten haben wir viel Freiraum und
durch das Jauchzen und Lachen unseres im Haushalt lebenden
Enkelkindes dürfen wir viele Glücksmomente erleben.
Das tröstet über manches hinweg. Im Bewusstsein dieses
Privilegs sorgen wir uns aber auch um Menschen, die unter
der jetzigen Situation psychisch oder physisch leiden.

Meine Hoffnung ist groß, dass es in der Zeit danach
mehr Achtsamkeit untereinander gibt, die Krise auch
etwas Gutes bringen wird.
Günther Hecht

Krisenzeit

Ich finde an Corona nicht gut ...

... dass ich nicht zur Schule darf.
... dass ich nicht meine Freunde treffen kann.
... dass mein Fußballverein zu hat und die Saison abgesagt worden ist.
... dass meine Mama mehr im Krankenhaus ist.
... dass ich eine Maske tragen muss.
... dass die Sportgeschäfte zu haben.
Ich finde an Corona gut …

… dass mein Papa zuhause ist und Zeit für mich hat
... dass mein Papa nicht mehr auf Geschäftsreise ist
... dass ich mehr Zeit mit meinem kleinen Bruder verbringen kann
... dass ich meinen ersten Fisch im Mühlenteich gefangen habe
... dass wir mehr Zeit mit der Familie haben
... dass die Umwelt sich erholen kann

Joshua Schmedecke (9 Jahre)


Zuversicht

Ein Karriereratgeber
Ich „google“ Zuversicht und bekomme als erste Quelle – noch vor dem Duden – ein Werteforum und an dritter Stelle einen Karriereratgeber namens „Karrierebibel“ angezeigt. Das hatte ich nicht erwartet. Ich war mir gar nicht sicher gewesen, ob dieses Wort außerhalb der Kirche noch benutzt wird.

Gene und Erfahrungen
Wissenschaftler sagen, dass Zuversicht zu einem Drittel genetisch verankert ist. Der Rest speist sich aus positiven Erfahrungen und ist Einstellungssache. Aber wie komme ich zu dieser Einstellung? Wie setze ich eine Entwicklung in Gang, die mir dann auch positive Erfahrungen schenkt?

Erfolg dank Zuversicht
Ich denke an Gideon, einen zunächst sehr zögerlichen, pessimistischen Menschen. Seine Geschichte erzählt die Bibel im Buch der Richter. Diese kriegerischen Auseinandersetzungen, von denen da berichtet wird, versuche ich auf mein inneres Ringen um Zuversicht zu übertragen. Gideon ist ein ängstlicher Mensch und steht vor einer wichtigen Herausforderung. Da könnte er Zuversicht gut gebrauchen. Doch die fehlt und er bittet Gott um die Gewissheit, dass er seiner Aufgabe gewachsen ist. Gott schickt das erbetene Zeichen, doch das reicht Gideon nicht. Mehrfach erbittet er Zeichen von Gott. So gestärkt will er nun also in den Kampf ziehen.
Aber jetzt sagt Gott: Wenn du mit solch einem starken Heer in den Krieg ziehst, glaubst du am Ende noch, du hättest den Sieg aus eigener Kraft errungen. Schicke einen Teil deiner Truppen nach Hause. Erst als die Anzahl der Kämpfer erheblich dezimiert ist, kann es losgehen. Und mit Gottes Hilfe kann Gideon die Herausforderung bestehen.

Gottvertrauen
Mich fasziniert der enge Austausch Gideons mit Gott. Er fordert und handelt und Gott stört sich daran gar nicht. Bereitwillig gibt er Zeichen um Zeichen und lässt so das Vertrauen und die Zuversicht Gideons wachsen. Und am Ende ist es nicht dessen Vertrauen auf die eigene Kraft, sondern auf die enge Verbindung zu Gott, die ihm hilft. Diese hat er sich hart erkämpft.

Zuversicht – ein anderes Wort für Optimismus?
Optimistische Menschen gehen davon aus, dass etwas für sie gut ausgeht. Für mich hat Zuversicht noch einen anderen Klang. Es ist mehr als ein positiver Blick auf die Welt oder gar der Blick durch eine rosarote Brille. Wenn ich zuversichtlich bin, dann weiß ich, dass es auch nach Niederlagen weiter geht. Dieses Vertrauen stärken wir, wenn wir Ostern feiern.

Ihre Pastorin
Anja Kleinschmidt

Wie wäre das Leben ohne Zuversicht?

Vermutlich gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, ob das Wort Zuversicht noch zeitgemäß ist. Vielleicht können mit dem Wort nicht alle sofort etwas anfangen oder finden ein anderes passender.

Es gibt viele Synonyme, wie z.B. Glaube, Hoffnung, Vertrauen und Optimismus. Ich finde das Wort Zuversicht vereint alle miteinander und es hat eine tiefere Bedeutung als jedes einzeln.

Zuversicht macht stark, mutig, tröstet, gibt Sicherheit und Geborgenheit. Zuversicht ist das Vertrauen in Gott, das uns morgens aufstehen lässt, trotz all dem, was im eigenen Leben und in der Welt passiert und uns mit einem sicheren Gefühl und hoffnungsvoll in die Zukunft schauen lässt.

Barbara Dell


7 Wochen ohne Pessimismus

Für mich klingt das Motto „7 Wochen ohne Pessimismus“ gar nicht nach Fasten, nicht nach Verzicht und Entbehrung. Es hört sich wie eine Fülle guter Gedanken an. Es klingt nach Zuversicht, nach Schlemmen im Optimismus.

Aber ich glaube, es wird nicht so einfach, seinen Optimismus zu bewahren, wenn uns täglich Nachrichten von Naturkatastrophen, Gewalt und Krieg erreichen. Wenn dann noch Hiobsbotschaften im Privatbereich dazukommen, dann ist es schwierig, diesen mit Zuversicht und dem Glauben an ein gutes Ende zu begegnen. Zweifel und Zukunftsängste verdunkeln die guten Gedanken.

Als ich das Motto „7 Wochen ohne Pessimismus“ zum ersten Mal hörte, fiel mir der Spruch ein: Glaube ist der Vogel, welcher singt, wenn die Nacht noch dunkel ist [Rabindranath Tagore]. Ich habe ihn vor vielen Jahren in meine Bibel geschrieben. Er steht neben Markus 5, neben den Heilung- und Wundergeschichten. Aus diesen Geschichten können wir Kraft schöpfen, um 7 Wochen mit Zuversicht – ohne Pessimismus zu leben.

Und wenn im Frühling die ersten Vögel singen, erinnert uns das vielleicht an den Spruch von Rabindranath Tagore und beflügelt uns, dem Pessimismus keinen Raum zu lassen.

Ulrike Plönnigs


Zuversicht ???

Zuversicht haben bei: Krieg, Not, Leid, Entbehrung, Aufständen, Terror, Vertreibung, Flucht, Völkerwanderung, Hungersnöten, Wassermangel, Wälder roden, Waldbränden, Erdbeben, Überschwemmungen, Umweltverschmutzung, Plastikflut, Klimawandel, Katastrophen, Infektionsgefahren, Epidemien, Ebola, Coronavirus, Attentaten, Waffenproduktion, Flugzeugabschüsse bewusst und aus Versehen, Straftaten, Einbrüchen, Betrug, Diesel-Skandal, Überdüngung der Böden, Korruption, Mord und Totschlag, Rauschgiftschmuggel, Finanzkrisen, Firmen-Pleiten, Diskriminierung, Trump und anderen Affären, Billigfleisch, Pflegenotstand, Ärztemangel, Lehrermangel, Ski- und anderer Tourismus … die Natur macht nicht mehr mit, Rechtsextremismus, Antisemitismus, Verfall von Sitte, Moral und demokratischer Werte …

Zuversicht haben? Zuversichtlich sein, angesichts all des Bösen auf der Welt? Geht das überhaupt? Wer oder was gibt uns Zuversicht und Stärke? Die Mächtigen der Welt mit ihrer Politik?

Gewiss nicht! Teenager verändern derzeit die Welt! Greta ist nicht allein: Junge Rebellen treiben die Mächtigen vor sich her, nicht nur in Sachen Klima. Das finde ich gut, das macht mich zuversichtlich.
Ebenso das Wissen aus Psalm 46: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns betroffen haben.“ Das galt damals, das gilt heute!

Günther Hecht