St. Andreas Kirchengemeinde Ashausen

von Pastorin Anja Kleinschmidt

Mon, 11 May 2020 15:28:27 +0000 von Thomas Schmidt

Liebe Gemeinde! 

"Eigentlich" habe ich in letzter Zeit oft gedacht. „Eigentlich würde ich gern", „Eigentlich hätte ich jetzt",  so hätten wir am Sonntag Konfirmation gefeiert. 
Und an die Worte aus dem Buch der Sprüche habe ich gedacht "Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, Gott aber lenkt seinen Schritt".  Sie erinnern mich daran, dass so viel in meinem Leben nicht in meiner Hand liegt. In dieser Zeit, in der wir alles absagen müssen, was wir geplant haben, merke ich das deutlicher als oft sonst.
Aber auch in dieser Zeit gibt es Dinge, die mir Freude machen. Ich freue mich, wenn ich abends zur Kirche gehe, und sehe, dass jemand etwas mit Kreide auf die Steine gemalt hat. Dann spüre ich - auch andere Menschen kommen hierher.
Ich genieße die Sonne, auch wenn ich weiß, dass es schon wieder viel zu trocken ist, aber sie hilft mir durch die Tage zu gehen, in denen so vieles andere fehlt. Und ich weiß, es hätte auch ein verregneter April sein können, der uns zusätzlich aufs Gemüt geschlagen wäre. Auch das Wetter liegt ja nicht in unserer Hand und auch nicht der Lauf der Jahreszeiten. Der anbrechende Mai erfreut das Herz der Menschen nicht nur in diesem Jahr. Auf die Melodie eines Tanzliedes  hat Martin Behn vor über 400 Jahren ein Lied gedichtet, das davon erzählt.



                                Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,
                                des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.
                                Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid,
                                die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.
 
                                Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein!
                                Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein.
                                Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß;
                                drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloss'.
 
Behn lebte zu einer Zeit, die den Menschen ebenfalls  viel abverlangte. Ohne Strom und Gas, ohne fließendes  Wasser aus dem Hahn, ohne Maschinen und Supermärkte - für uns wäre es schwer, sich in dieser Welt zurecht zu finden. Und Martin Behn hätte in unserer Welt wohl staunend den Kopf geschüttelt: 
Mit Flugzeugen, Fernsehen, Telefon wäre er nicht vertraut gewesen. Doch sein Lied überspringt die Grenzen zwischen diesen fremden Welten.
Denn der Frühling kommt in diesem Jahr, wie er es schon vor 400 Jahren tat, wie er es in Kriegs- und Friedenszeiten immer getan hat. Mich tröstet dieser Gedanke sehr.
Der Ordensgründer Bernhard von Clairvaux hat einmal gesagt: Zwei Bücher hat Gott dir geschrieben: Das Buch der Bibel und das Buch der Natur. Du musst lernen, sie zu lesen, dann wirst du Gott erkennen und er wird dir ganz nahe sein.
Lange haben wir uns nicht so abhängig von der Natur erlebt wie jetzt. Mehltau, Frost, Reif und Schloss sind für mich nicht Existenz bedrohend. Doch jetzt zwingt uns ein Virus dazu, innezuhalten und Gewohntes sein zu lassen. Es macht uns schmerzlich unsere Verletzlichkeit und Sterblichkeit bewusst. Wir spüren Angst und Unsicherheit, sind aber auch besonders empfänglich für alles Schöne und Helle.  
Ich wünsche Ihnen, dass Sie der Gedanke an das, was Sie „eigentlich“ gern getan hätten, nicht lähmt und den Blick verstellt für das „Eigentliche“, dem wir auch in dieser Zeit begegnen dürfen.
 
Ihre Pastorin Anja Kleinschmidt
 
Für die Jugendlichen, die an diesem Wochenende eigentlich konfirmiert werden sollten, haben die Teamerinnen kleine Boxen gepackt zum Thema Konfirmation, damit diese am Sonntag etwas in Händen halten. Und die meisten haben sich beim Packen gefilmt, so dass Sie ab nächster Woche auch auf dieser Seite sehen können, was sie hinein getan haben.