St. Andreas Kirchengemeinde Ashausen

Osterandacht von Pastorin Anja Kleinschmidt

Sat, 11 Apr 2020 20:16:22 +0000 von Thomas Schmidt

Nicht angefasst und doch berührt werden!
Wir geben uns nicht mehr die Hand und halten Abstand. Haben Sie sich schon daran gewöhnt? Wenn sich im Fernsehen Menschen in Filmen umarmen, stutze ich schon.  An diese Veränderung habe ich mich also gewöhnt. Anders ist das mit dem Mundschutz. Da muss ich mir immer noch sagen: Dieser ist keine Abwehr sondern ein Zeichen der Fürsorge. Es sind ungewohnte Zeiten mit neuen und zum Teil schmerzhaften Erfahrungen.
Besonders schmerzhaft erlebe ich in diesen Wochen, dass wir, nicht wie gewohnt, auf  Trauerfeiern von lieben Menschen Abschied nehmen können. Und ich begreife zum ersten Mal den Schmerz, den es für die Freundinnen und Freunde Jesu bedeutet haben muss, dass sie sich nicht im gewohnten Rahmen von ihm verabschieden konnten. Stattdessen wurde er schnell in ein fremdes leeres Grab gelegt. In der Corona-Krise wird mir dieser Teil der Passionsgeschichte wichtig.

Es war aber dort, wo Jesus gekreuzigt wurde, ein Garten und darin ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war. Dahin legten sie Jesus wegen des Rüsttages, weil das Grab nahe war. (Johannes 19,41f)

Und auch ein Abschnitt der Ostergeschichte geht mir in diesem Jahr besonders nahe. Als Maria am Tag nach dem Sabbat zum Grab geht und sieht, dass dieses leer ist, spricht sie mit einem Mann, den sie zunächst für den Gärtner hält. Als der sie anspricht, erkennt sie, dass es der auferweckte Jesus ist, der ihr den Körperkontakt jedoch verweigert. "Rühre mich nicht an!" Sagt er.

 Jesus sagt zu Maria: Rühr mich nicht an, denn ich bin noch nicht zu meinem Vater im Himmel aufgefahren.
(Johannes 20,17)

Ob Maria das als Zurückweisung empfunden hat? Mir fällt auf, wie unterschiedlich ich so einen Satz hören kann und wie verschieden ähnliche Worte auf mich wirken. So können mit den Verben "berühren" und "anfassen" sehr unterschiedliche Dinge ausgedrückt werden. Wenn ich angefasst bin, dann ist es eng in mir. Wenn ich aber berührt werde, dann öffnet sich etwas in meinem Herzen.
Maria darf Jesus nicht berühren. Dennoch sind seine Worte keine Zurückweisung. Vielmehr macht 
Jesus Maria darauf aufmerksam, dass eine neue Zeit angebrochen ist, eine in der er seinen Lieben
weiter berühren, auch wenn sie sich nicht anfassen können - so ist das, nachdem ein Mensch gestorben ist.
Wir wird es sein, wenn wir uns wieder anfassen dürfen? Werden wir uns in die Arme fallen oder werden wir uns weiter ohne eine freundlich ausgestreckte Hand begrüßen? In diesen Tagen ist so viel offen. Wir wissen noch nicht, wie wir aus dieser Krise hervorgehen werden und wie unsere Welt dann sein wird. Ich hoffe, wir werden bis dahin viele berührende Erfahrungen gemacht haben. Dazu braucht es keine ausgestreckte Hand, nur ein offenes Herz.
Dieses "Noch nicht wissen können wie es sein wird" teilen wir mit Maria am Grab. Auch sie konnte noch keine Vorstellung davon haben, wie die Geschichte Jesu weiter gehen würde. Doch Jesus selbst half ihr und den anderen die Angst zu überwinden. Sie mussten nicht allein in die Zukunft gehen, sein Geist ging mit ihnen.

Am Abend dieses Tages, da die Jünger*innen versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! ...Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist
(Johannes 20, 19-21)

Dieser Geist der Kraft, Liebe und Besonnenheit ist uns auch heute zugesagt.
Ich wünsche Ihnen ein frohes gesegnetes Osterfest!
Ihre Pastorin
Anja Kleinschmidt
Quelle: St. Andreas